Der inoffizielle NES Game Collector’s Guide Der Pionier unter den Sammelratgebern

Das Sammeln von alten Videospielen ist heute eine weit verbreitete Leidenschaft unter Zockern, vor allem NES-Title erfreuen sich hier seit längerem grosser Beliebtheit. Auf verschiedenen Online-Plattformen werden mittlerweile horrende Summen für die 8-Bit-Spielklassiker hingelegt, Schnäppchen sind dort kaum noch möglich und die Werte der einzelnen Titel sind den Kennern bestens bekannt. Anfang des neuen Jahrtausends war dies noch komplett anders. Das Internet nahm erst so langsam Fahrt auf, Online-Plattformen wie Ebay stand der grosse Wachstumsschub noch bevor. Die Nachfrage war damals noch nicht in dem Ausmass vorhanden wie heute, auch wirkliche Richtpreise für die NES-Klassiker gab es noch keine. Ein Umstand, an dem Wolfgang Nüchel – alias Käptn’N – etwas ändern wollte.

Die Entstehung

Wolfang Nüchel war damals selber leidenschaftlicher Sammler von NES-Spielen und auch in den Foren des NES Centers aktiv, wo sich Gleichgesinnte über ihre liebste 8-Bit-Konsole austauschen. Hier berichtete er Mitte 2003 erstmals von seinem Vorhaben einen Ratgeber für Sammler von NES-Modulen zu erstellen. Nicht alle waren von der Idee begeistert, der eine oder andere befürchtete, dass dadurch die Preise ansteigen würden, generell war das Echo aber äusserst positiv. Für sein Vorhaben suchte er noch nach Unterstützung durch andere Retrofans, die Informationen zu Spielen liefern konnte, welche nicht Bestandteil seiner Sammlung waren. Diese fand er in Form der Foren-User Yamato (Webmaster NES Center), Andrax (bestens bekannt von NWARP und NCON) und meiner Wenigkeit.

Über den Projektvater Wolfgang Nüchel erfolgten die Abstimmungen via Excel-Tabellen wer welche Spiele beisteuern kann und welche Informationen genau gefordert sind. Und so machten wir uns daran die Modul- und Verpackungs-Artworks der auserwählten NES-Titel einzuscannen und zu jedem Spiel Informationen wie Hersteller, Genre und Erscheinungsjahr zusammenzutragen. Ebenfalls wichtiger Bestandteil des Guides waren die Wertangaben in der damals noch jungen Währung Euro. Für die Einschätzungen durchkämmten wir alle möglichen Ebay-Websiten dieser Welt und beobachteten Auktionen zu den entsprechenden Spielen. Eine Suche nach abgeschlossenen Versteigerungen bot die Plattform damals leider noch nicht, aber Angebote zu Festpreisen existierten zum Glück ebenso wenig. Auch die Seltenheit eines Spiels wurde mit dieser Methode in Erfahrung gebracht.

Die ganzen ermittelten Daten wurden inklusive der Scans auf eine CD gebrannt und anschliessend an Wolfgang Nüchel gesandt (das Übermitteln solcher Datenmengen via Internet war damals noch nicht so einfach). Im Dezember 2003 erhielten wir dann ein Rezensionsexemplar des NES Collectors Guide zugestellt, zu welchem wir nochmals Feedback gaben.


NES Game Collector’s Guide 1.0

Am 15. Januar 2004 war es dann soweit: Der NES Game Collector’s Guide wurde offiziell veröffentlicht.

::::: 15. Januar 2004 :::::

22.10 MEZ: NES Game Collector’s Guide jetzt erhältlich!Wer sich ab und zu in unserem Forum aufhält, wird längst von ihm gehört haben: Der NES Game Collector´s Guide entstand in einer etwa einjährigen Fleißarbeit vom leidenschaftlichen Nintendo Entertainment System Fan Wolfgang Nüchel (Käptn’N) unter Mitarbeit der NES Center Redakteure Yamato und Seppatoni sowie dem NES Center Leser Andrax und stellt mit seinen 675 vorgestellten Spielen wohl die ausführlichste NES Spiele-Übersicht dar, die man bislang bekommen kann.

Für den Preis von EUR 15.00 zuzüglich Versandkosten war der Guide exklusiv über das NES Center erhältlich. Käufer erhielten den Guide als PDF-File auf einer CD zugeschickt. Das Cover basierte auf dem offiziellen NES Spieleberater. 527 Spiele aus unseren Sammlungen wurde dabei in nachfolgender Form aufgeführt:

Weitere 149 Spiele wurden in einem separaten Kapitel in einer Kurzvorstellung gezeigt. Damit umfasst der NES Game Collector’s Guide stolze 675 NES-Spiele, eine der damals umfangreichsten Aufführungen an NES-Spielen überhaupt. Das Dokument selber wies einen Umfang von 161 A4 Seiten auf. Der Guide schaffte es sogar in die Frankfurter Allgemeine Zeitung. In der FAZ-Ausgabe vom 16. März 2004 wurde ein kleiner Bericht zum Sammelratgeber abgedruckt:

Die Leseproben des Guide 1.0, welche damals auf NES Center zur Verfügung standen, könnt ihr hier einsehen:


NES Game Collector’s Guide 2.0

Bei der Veröffentlichung der ersten Ausgabe des Collector’s Guides 1.0 war bereits klar, dass es nicht bei dieser Ausgabe bleiben wird. Auch am Ende des eBooks wurde darauf hingeweisen, dass «eine spätere geupdatete Version dieses Guides prinzipiell denkbar» sei. In erster Linie konzentrierten wir uns auf den Ausbau des Hauptkapitels „Collection Games“. Dieses wurde neu in alphabetischer Reihenfolge aufgebaut, dazu wurden die Spiele nun mit einem Screenshot vorgestellt und einzelne Werte aktualisiert. Neben einer Spielspasswertung basierend auf dem Ersteindruck wurden auch Informationen zu einem enthaltenen Multiplayer-Modus ergänzt.

Allerdings keimten im Prozess verschiedene Ideen auf, wie man das Werk mit zusätzlichen Rubriken erweitern könnte. So entstand beispielsweise der Hardware-Bereich, bei welchem eine Auswahl an Zubehör sowie verschiedene Konsolen-Bundles vorgestellt wurde. Weiter gab es neu einen Bericht über den Club Nintendo inklusive Cover-Scans der ersten Magazin-Ausgaben bis 1992. Als weiteres Extra wurde eine kurze Reportage über die verschiedenen Varianten, in welchen NES-Spiele existieren, spendiert.

Verbunden wurden die unterschiedlichen Kapitel über ein Menü, das mit Originalmusikstücken und Soundeffekten aus NES-Spielen untermalt wurde. Dieses wurde direkt nach dem Einlegen der CD gestartet. Über die Tasten eines NES-Controllers konnten die verschiedenen Kapitel ausgewählt werden. Wer den Auswahlscreen genau absucht, findet noch ein gut verstecktes kleines und als Warpzone bezeichnetes Extra. Veröffentlicht wurde die Version 2.0 am 21. Dezember 2004, begleitet von folgender Meldung:

::::: 21. Dezember 2004 :::::

17.20 MEZ: NES Game Collector’s Guide 2.0 jetzt erhältlich!Ab sofort könnt Ihr exklusiv mit www.nescenter.de in den Genuss der Nachfolgeversion des erfolgreichen NES Game Collector’s Guides kommen. Die Version 2.0 ist natürlich nicht nur etwas für Neukunden, sondern wird auch diejenigen ansprechen, die bereits die erste Version erstanden haben.

Das Hauptkapitel umfasste neu stattliche 620 Spiele mit der ausführlichen Präsentation, die Kurzvorstellungen wuchsen ebenfalls auf insgesamt 215 Titel.

Leseproben einiger Kapitel zum NES Game Collector’s Guide 2.0:


NES Game Collector’s Guide 3.0

Etwas mehr als anderthalb Jahre nach der Version 2.0 wurde am 21. Juni 2006 der NES Game Collector’s Guide 3.0 als „3rd Anniversary Edition“ veröffentlicht. Gegenüber der Vorgängerversion wurde der Inhalt nochmals stark ausgeweitet und in ein neues Gewand gesteckt.

::::: 2. Juni 2006 :::::

14.30 MEZ: NES Game Collector’s Guide 3.0 jetzt erhältlich!

Ab sofort könnt ihr exklusiv mit NES CENTER in den Genuss der Nachfolgeversion der erfolgreichen NES Game Collector’s Guides 2.0 kommen. Neben einer weitreichenden Erweiterung der Detailvorstellungen der Spiele finden sich in der nunmehr dritten Auflage mehr Zubehörvorstellungen, Specials zu Prototypen, Bienengräber-Spielen, Club Nintendo und dem offiziellen Nintendo Sticker-Album sowie eine T-Shirt-Druckvorlage, ein Intro, ein neues Menü, neue Sounds und und und… Es lohnt sich also auf jeden Fall auch für die Besitzer der 2.0 Version.

Das ganze Design rund um den Guide 3.0 wie auch das Menü ist an den wohl herausragendsten Titel der NES-Ära angelehnt: Super Mario Bros. 3. Auf der CD selber ist hingegen Samus Aran, Hauptdarstellerin aus Metroid, präsent.

Das Hauptkapitel wurde auf insgesamt 730 Spiele erweitert, 155 weitere Spiele wurden im Kurzüberblick erfasst, was fast alle lizenzierten NES-Spiele abdeckte, welche jemals erschienen sind. Aber auch niemals veröffentliche Spiele erhielten ein eigenes Kapitel: In der Prototypen-Rubrik werden zahlreiche Vorabversionen von später erschienenen wie auch von unveröffentlichten Spielen aus unseren Sammlungen präsentiert.

Auch die mit dem Guide 2.0 eingeführte Hardware-Rubrik wurde stark erweitert, so finden sich nun insgesamt 62 Zubehörkomponenten in der Auflistung wieder. Ergänzt werden diese mit einer Übersicht über zahlreiche NES-Bundles aus verschiedenen Ländern. Abgerundet werden diese detaillierten Aufführungen von einem neuen Kurzüberblick über weiteres Zubehör. Als Extra wartet zudem noch eine Übersicht über die technischen Details des NES auf.

Die Kapitel zum Club Nintendo und den Varianten eines NES-Spiels findet sich ebenfalls im Guide 3.0 wieder. Als neues Extra gibt es einen Bericht über die ersten NES-Spiele im schwarzen Bienengräber-Design mit Abbildung aller Spiele und Auflistung einiger Seal of Quality-Varianten. Der im Guide 2.0 noch als gut getarntes Extra enthaltene Scan des offiziellen Nintendo Stickeralbums ist hier nun direkt zugänglich. Fans finden auch eine Druckvorlage auf der CD, mit welcher im Copyshop auch ein «Collector´s Guide T-Shirt» gedruckt werden kann, auf dem alle 3 bisher erschienenen Cover abgebildet sind. Natürlich hat sich auch in Version 3.0 eine „Warpzone“ mit einem ganz speziellen 10-seitigen Extra versteckt.

Leseproben einiger Kapitel zum NES Game Collector’s Guide 3.0:


Ein Zeitdokument

Mit dem NES Game Collector’s Guide 3.0 fand die Reihe dann auch einen würdigen Abschluss. Das letzte Werk wies einen enormen Umfang von etwa 360 A4-Seiten geballter NES-Power auf und stellte bis heute einer der wohl grösste Datenbanken über das NES überhaupt dar.

Rückblickend betrachtet stellte der NES Game Collector’s Guide eine Pionierarbeit dar und stand Sammlern von NES-Spielen als erster Ratgeber zur Seite. Mittlerweile hat die Leidenschaft für das Sammeln alter Spiele ein ungeahntes Ausmass angenommen, die Spielepreise gingen steil in die Höhe und neue Guides bilden das stark veränderte Preisgefüge ab. Natürlich sind die Angaben im NES Game Collector’s Guide heute längst überholt, erlaubt aber als Zeitdokument einen Blick zurück auf die Situation bevor der grosse Run auf Retrospiele losging und führt unweigerlich auch zu einem etwas kritischen Blick auf die ganze Entwicklung.

Unabhängig davon bleiben die NES Collector’s Guides schöne Dokumente für NES-Freunde, die immer wieder zum Schmökern einladen und mittlerweile wohl fast selber schon zu Sammelobjekten geworden sind.

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