Letztes Jahr ist mit Mario Kart World bereits der 10. Mario-Kart-Titel für eine Nintendo-Konsole erschienen. Über 30 Jahre sorgt die Funracer-Reihe für Freude, Frust, Begeisterung und Ärger, oft innerhalb weniger Sekunden. Seit ihren Anfängen auf dem SNES haben sich schon etliche Charaktere auf die Rennpiste des Mario-Universums gewagt. Nicht immer waren die Spieler mit dem Fahrer-Roster zufrieden. Auch bei mir gab es öfters Verwunderung über gewisse Entscheide der Konsolen-Ableger. Zeit, um mal meinen Senf dazu niederzuschreiben. Arcade- und Handytitel bleiben dabei bewusst aussen vor.
Affenstarke Anfänge
Gehen wir zurück zum Start der Serie. 1993 flitzten Mario & Co. erstmals auf dem SNES über die bunten Rennstrecken. Mit dabei auch Donkey Kong Jr., bestens bekannt aus dem gleichnamigen Arcade-Hit und weiteren Spielen auf NES und Game & Watches. In seinem weissen Shirt gibt er das Schwergewicht unter den Fahrern, beschleunigt unerhört langsam, weist aber die höchste Endgeschwindigkeit auf. Es sollte unverständlicher Weise es bis heute der letzte Auftritt von Donkeys Sprössling bleiben.
- Donkey Kong Jr. posiert beim Start.
- Kamek war in Mario Kart 64 ursprünglich anstelle von Donkey Kong Jr. vorgesehen.
Während in der N64-Fortsetzung ursprünglich Kamek dessen Platz einnehmen sollte, setzte sich in der finalen Version fortan der Papa persönlich ins Fahrzeug. Ab Double Dash nahm Diddy die Rolle als zweiter Affenvertreter wahr, Funky gab sein Debüt in Mario Kart Wii, Junior hingegen bleibt bis heute verschollen. Wenn man sieht, was bis heute alles die Aufnahme in den Roster schafft, macht es noch unverständlicher, dass Donkey Kong Jr. nie mehr berücksichtigt wurde.
- Selbst für Nintendos Foto der alten Garde in Mario Kart World musste Donkey Kong für den vermissten Junior einspringen.
Über die an dem Fell, bzw. Haaren herbeigezogene RARE-Story, dass DK Jr. nun der «neue» Donkey Kong sein soll, brauchen wir nicht zu reden, die ergibt – spätestens mit dem Erscheinen von Bananza – schlicht keinen Sinn. Zumal genügend Baby-Versionen anderer Charaktere mit ihren Erwachsenen-Ichs mitfahren, wo wir bereits beim nächsten Thema sind.
Die Baby-Flut
Mario und Luigi im Babyalter hatten in Yoshi’s Island (SNES) ihren ersten Auftritt. Zeitlich spielte der Titel lange vor ihren grossen Abenteuern. Auch bei ihrem Auftritt im DS-Rollenspiel „Mario & Luigi: Zusammen durch die Zeit“ treffen die erwachsenen Brüder auf ihre jüngeren Ichs. Seit Double Dash!! sind auch die Baby-Inkarnationen der beiden Brüder regelmässig in den Mario Karts zu Gast. Ob das nötig ist, sei dahingestellt, aber zumindest hatten sie ihre Auftritte in anderen Titeln, genauso wie Baby Peach in Yoshis Island 2.
- Baby Mario und Baby Luigi in Double Dash!!
- In MK World gibt es mittlerweile 5 Baby-Versionen von Charakteren.
Weniger nachvollziehbar ist hingegen, dass nun gefühlt zu jedem menschlichen Charakter extra für Mario Kart ein neues Baby kreiert wurde. Warum braucht es Prinzessin Daisy und Rosalina ebenfalls noch als Kleinkinder? Hat wirklich jemand darauf gewartet?
Wenn wir schon bei Kindern sind: Die Koopalinge in Form von Larry, Morton, Wendy, Iggy, Roy, Lemmy und Ludwig wurden in Super Mario Bros. 3 als Bowsers Kinder vorgestellt. In Mario Kart 8 waren sie dann endlich und verdientermassen auch Bestandteil der Fahrergemeinde. Bei Mario Kart Live: Home Circuit nahmen sie die Rolle der Computer-Gegner ein.
- Bowser Jr. und die Koopalinge in Mario Kart: Home Curtcuit
Und in World? Fehlt von ihnen plötzlich wieder jede Spur! Nur Werbeplakate erinnern an die Koopalinge. Und auch ihre Rolle als Bowsers Kids wurde mittlerweile gestrichen, sie agieren nun auf einmal als dessen Schergen. Kam da etwa ein negativer Vaterschaftstest dazwischen? Eine offizielle Begründung gab es jedenfalls nie, dafür darf der in Super Mario Sunshine eingeführte Bowser Jr. nun als Sprössling mittun.
C-Promi
Ein erstes mal wirklich genervt über einen Charakter hatte ich mich jedoch in Mario Kart 7. Der gelungene 3DS-Racer verfügte über etliche coolen freischaltbare Fahrer – und die Honigbienenkönigin. Warum es ausgerechnet diese in die Auswahl geschafft hatte, verstehe ich bis heute nicht. Ein kaum relevanter Nebencharakter aus den Super Mario Galaxy-Spielen kommt unverdientermassen zum Handkuss, während etliche andere Figuren weiter auf ihren überfälligen Auftritt warten mussten.
- Die Honigbienenkönigin in Action.
- 42 Jahre dauerte es vom Debüt bis zur Premiere als Mario Kart Teilnehmer.
Gefreut hat mich hingegen der Auftritt von Sidestepper, der seit seinem Debüt 1983 stattliche 42 Jahre warten musste, um in Mario Kart World mittun zu dürfen. Ihn im Vergleich zur Honigbienenkönigin als C-Promi zu bezeichnen wäre gemein, hat er doch seit Mario Bros. schon eine Vielzahl an Auftritten hingelegt. Was mich mehr stört, ist der Name in der deutschen Variante: Er wurde einfach «Krabbe» genannt.
Edelmetalle und Farben
In Mario Kart 7 erhielt Mario als erster Charakter einen zweiten Platz im Roster. Einmal freigespielt, durfte er in seiner aus Super Mario 64 bekannten Metall-Form als Schwergewicht mittun. Doch warum ein zweiter Mario? Gäbe es nicht genügend andere Alternativen als einfach eine silberne Mario-Figur? Oder ging den Machern einfach die Kreativität aus? Mit Mario Kart 8 wurde es nicht besser: Erneut tauchte Metall Mario im Fahrerfeld auf.
- Metal Mario in Mario Kart 7
- Hat wirklich jemand auf Rosagold Peach gewartet?
Die Krönung als unnötigster Charakter ever war jedoch Prinzessin Toadstool vorbehalten: Rosagold Peach. Warum? Was haben die Leute eingenommen, um auf die Idee zu kommen, einfach so random einen Charakter in Rosagold einzufärben und in ein Mario Kart zu schmeissen? Es gibt hunderte Charaktere aus dem Mario-Universum, nehmt doch einen von denen? Warum nicht gleich auch noch Braungold Donkey Kong?
Dagegen ist Gold Mario aus Mario Kart 8 Deluxe ja nur noch eine Randerscheinung, immerhin hatte dieser in New Super Mario Bros. 2 auch bereits einen Auftritt in einem Spiel der Hauptreihe. Genau gleich geht es mir übrigens auch mit Knochenbowser, der jetzt auch nicht unbedingt nötig gewesen wäre. Warum hat man diese Charaktere nicht einfach als auswählbare optische Varianten der Figuren mitaufgenommen? Bei Yoshi oder Shy Guy konnte man ja auch die Farbe bei der Charakterwahl selber bestimmen.
Kostümparty
Das bringt mich nahtlos zu den Kostümen. Erstmals aufgetaucht sind diese in Mario Kart 8. Über amiibos konnten verschiedene Kostüme freigeschaltet werden, welche dann dem selbst kreierten Mii-Charakter übergestülpt werden durfte. Prominenter sind sie in Mario Kart Live: Home Circuit integriert. Mario und Luigi sind die beiden einzigen spielbaren Charaktere in diesem Titel, die freispielbaren Kostüme brachten etwas Abwechslung ins Geschehen.
- In Mario Kart 8 Deluxe sind alle Mii-Kostüme frei verfügbar.
- Manche der Kostüme im Mario Kart World sind ja schon ganz witzig,
- Mario als Weihnachtsmann in Mario Kart Live: Home Circuit
Das Thema wurde in Mario Kart World erneut aufgegriffen, diesmal aber auf mehrere Charaktere ausgeweitet. Durch Aufsammeln von Lunch-Paketen können Kostüme für den aktuellen Fahrer freigeschalten werden. Coole Idee, die jedoch im Charakter-Select-Screen auf die Nerven geht. Statt dass man bei der Wahl des Charakters nach dem Outfit gefragt wird, werden einfach alle Varianten aufgeführt und müssen mühsam durchgescrollt werden.
Gastauftritte
Nach dem Release hat Nintendo bekanntgegeben, dass in Mario Kart World bewusst keine Charaktere aus anderen Franchises integriert wurden. Eine Entscheidung, die ich definitiv gutheisse. Am Ende ist es immer noch ein Mario Kart. Zwar hat mich die Anwesenheit von den Inklingen, dem Animal-Crossing-Bewohner mit Isabelle sowie Link nicht wirklich gestört. Aber gespielt habe ich trotzdem nicht mit ihnen. Ohne Einsatz meiner Kids, würde heute noch das rote «!» die Charaktere als ungespielt markieren.
- Splatoon trifft auf Mario Kart.
- R.O.B in Mario Kart DS.
Den ersten Gast von ausserhalb des Pilzkönigreichs habe ich hingegen richtiggehend gefeiert. Mag sich noch jemand erinnern? Es war R.O.B., der in Mario Kart DS freigespielt werden konnte. Als exotisches NES-Zubehör hat er einen besonderen Platz in meinem Herzen, dass er auf einmal auch in spielbarer Form existierte, freute mich enorm. Und in Smash Bros. ging seine Karriere als Spielfigur weiter.
Wer fehlt noch?
Das Mario Universum bietet noch eine Vielzahl weiterer unverbrauchter Charaktere. Man denke nur an die Bösewichte aus Super Mario Bros. 2 wie Mouser, Tryclyde oder Obermotz Wart, wenn es immerhin ja schon Birdo geschafft hat. Oder wann kommt endlich Spike aus Wrecking Crew zu seinem glorreichen Comeback? Im Kinofilm hat’s geklappt, sein Bagger schaffte es immerhin als Fahrzeug in den DS-Titel. Oder Professor I. Gidd hätte doch auch mal einen solchen Auftritt verdient, wenn es schon dem Antagonist King Boo vergönnt war. Und hey, wie wäre es eigentlich mit der fiesen Sonne aus Super Mario Bros. 3?
- Tryclyde und Mouser haben bereits in der Super Mario Bros. Super Show Rennerfahrung gesammelt
Fazit
Ja, es wird jeder seine eigene Meinung zu den ganzen Charakteren in den Mario Kart-Spielen haben. Die einen nutzt man lieber, die anderen lässt man links liegen. Aber am Ende ist es zweitrangig, wer im Fahrzeug sitzt. Das Wichtigste ist, dass Mario Kart Spass macht. Und an dieser Tatsache wird sich so schnell wohl nichts ändern. Zumindest solange, bis der nächste blaue Panzer ums Eck kommt.

















