Super Mario Bros. Ein Meilenstein wird 40!

Braucht man über Super Mario Bros. eigentlich überhaupt noch irgendwelche Worte zu verlieren? Kürzlich jährte sich das Erscheinen des Titel zum 40. Mal. Super Mario Bros. war nicht nur ein wegweisender Meilenstein der Videospielgeschichte, sondern prägt die Popkultur bis heute. Kaum jemand, der auch nur irgendwie an Videospielen geschnuppert hat, dürfte an dem Klassiker vorbeigekommen sein. Doch gerade deshalb erlaube ich mir einen Blick zurück auf dieses Meisterstück zu werfen.


Die Verpackung

Von Super Mario Bros. existieren gleich mehrere Varianten, basierend auf zwei Boxarts. Je nach Region gab es die eine oder die andere Ausführung im Regal zu bestaunen. Beginnen wir mal mit dem Pixel Cover.

Für viele ein nostalgischer Anblick, aber ebenso oft Auslöser von Diskussionen. Springt da Mario etwa direkt in den sicheren Tod? Nun, die Fakten sind eindeutig. (Feuer-)Mario versucht sich zwar durch einen Sprung vor der Lava zu retten, prallt aber direkt in eine Wand in einem von Bowsers Schlössern. Da nützt auch der geworfene Feuerball herzlich wenig. Auch wenn Mario-Schöpfer Shigeru Miyamoto dies dementierte, das Bild spricht eigentlich Bände. Zudem fragt man sich, warum eigentlich ausgerechnet das optisch eintönige Bowser-Schloss als Szene für das Titelbild gewählt wurde. Und dann noch mit Mario im Feuerblumen-Outfit, das sich farblich nicht allzu sehr vom Hintergrund abhebt. Da gäbe es wesentlich buntere und stimmungsvollere Schauplätze als dieses. Aber sei’s drum, es gibt ja noch eine hochwertige Alternative:

DAS mach doch schon deutlich mehr her. Das liebevolle, von Yoichi Kotabe gestaltete Artwork zierte bereits die Verpackung des japanischen Famicom-Originals, auch im Westen wurden einige Länder mit dieser Variante beglückt, sowohl in der grossen Schachtel wie auch in der kleinen, weitläufig als Bienengräber-Version bekannten Form (benannt nach dem damaligen Vertriebspartner). Die pixeligen Spiele-Sprites erwachten in dieser Form erst so richtig zum Leben. Fast alle Charaktere erhalten in dieser ikonischen Darstellung einen Platz.

Im Zentrum natürlich Mario, damals noch mit roter Latzhose, in seiner bekannten Sprungpose mit geballter Faust, welche dem Goomba und Cheep-Cheep zum Verhängnis wird. In der linken Hand ausgerüstet mit einem Superpilz. Die angeketteten Toads jubeln aus dem Hintergrund zu, während Prinzessin Toadstool – festgehalten von Bowsers Klauen – um Hilfe schreit. Der Koopa König beobachtet das Geschehen mit argwöhnischem Blick aus seinem Schloss. Ebenso wie Lakitu auf der gegenüberliegenden Klippe mit einem Stachi an der Leine, nur erreichbar über eine aus dem Wasser ragende Bohnenranke. Der Hammerbruder holt zum Wurf aus, während ein grüner Koopa Troopa auf einer Röhre Wache hält. So viele kleine Details sind in das Bild eingearbeitet worden und haben die Fantasien der damaligen Spieler beflügelt. Ein zeitloses Kunstwerk! Doch blicken wir mal auf die Rückseite der Verpackung.

«Besitzt Du die Fähigkeit, die Prinzessin der Pilzmenschen zu retten?» wird der geneigte Käufer auf den grossen Boxen gefragt. Bei der kleinen Schachtel war – trotz Veröffentlichung im deutschsprachigen Raum – der Rückentext komplett in Englisch gehalten. Umrahmt wird das Werk mit 4 grosszügigen Screenshots in Form klassischer CRT-Bildschirme. Mario kämpft sich auf diesen über Plattformen im Untergrund, schlängelt sich durch Cheep-Cheep-Horden auf den Brücken, schwimmt in den tiefen Gewässert und stellt sich Bowser zum Kampf. Auffällig: Einmal wird „KOOPA“ erwähnt, ein anderes Mal wird von den „Kupas“ geschrieben. Aber dazu kommen wir gleich.


Die Anleitung

Wurden NES-Spiele und deren Neuauflagen nach der ersten Generation mit Anleitungen in Heftform beglückt, lagen diese den Bienengräbervarianten als schlichter, grauer Beipackzettel bei. Schauen wir uns diesen mal genauer an:

Was hier – gerade für Kenner späterer Mario-Titel – direkt ins Auge sticht, sind die eingedeutschten Namen und Begriffe. In einer Zeit, wo Mario noch am Anfang seiner Karriere stand, war die künstlerische Freiheit der Übersetzer noch ohne Grenzen. Was heute das Pilzkönigreich ist, war damals das Schwammerlland, aus Prinzessin (Peach) Toadstool wurde Prinzessin Fliegenpilz und die Toads wurden als Schwammerlgefolge vorgestellt. Auch bei den Items wurde nicht mit kreativen Übersetzungen gegeizt: Der rote Superpilz war das Zauberschwammerl, der grüne 1Up-Pilz wurde wörtlich mit 1-rauf Schwammerl eingedeutsch.

Ähnlich sieht es bei der Gegnerschaft aus. Koopa Troopas sowie die mit Flügeln ausgestatteten Para-Koopas erhielten die martialische Namen Kupa-Soldat und Kupa-Fallschirmjäger. Selbst die Beschreibung der Schildkröten hat es in sich: «Ihr Befehl: Mario finden und töten.» Die Gumbas (oder auch Goombas) erhielten die putzige Bezeichnung Klein-Gumba. Und auch das Oberhaupt Bowser, König der Koopas, bliebt nicht davor gefeit: Er wurde als Zauberer-König Bauser vorgestellt. Und da wir hier über den erste Super-Mario-Titel schreiben, bleiben wir der von nun an der Namensgebung der Anleitung treu.

Aber auch abseits davon gibt es einiges in der Anleitung zu entdecken. Die gezeichnete Aufteilung einer Welt in ihre 4 Levels liess in der Vorstellung des Spielers damals die einzelnen Levels zu einem Element zusammenfliessen. Die Evolution Marios durch Verwendung der Items gefällt mit atypischen Zeichnungen. Und auf der Rückseite winken Geheimtricks, wobei ein Kupa-Soldat zum Schweigen auffordert. Wir lernen: einen Kupa-Panzer gegen andere Gegner kicken nennt sich Schneepflug-Angriff. Mehrere Gegner nacheinander zerspringen ist die Kettenreaktion (einmal im Text auch als Ketenreaktion bezeichnet».

Aber Zeit, uns nun dem eigentlichen Spiel zu widmen.


Das Spiel

Beginnen wir bei der Story: Der bitterböse Bauser, König der Kupas, will das Schwammerlland erobern und hat Prinzessin Fliegenpilz entführt. Die ganzen pilzköpfigen Einwohner wurden in verschiedenste Kreaturen und Formen verwandelt: Steine, Ziegelblöcke und sogar Unkraut, aber auch in hilfreiche Itemblöcke. Mario und sein Bruder Luigi haben die Aufgabe, die Prinzessin aus den Klauen des Kupa Königs zu retten und den Frieden im Schwammerlland wiederherzustellen.

So wird der Spieler mit Mario direkt ins Abenteuer geworfen. Und bereits der Auftakt ist ein Meisterstück in Sachen Spieldesign. Schritt für Schritt wird der Spieler an die Herausforderungen und Spielemente herangeführt. Ein erster Kontakt mit einem Klein-Gumba, die ?-Blöcke und das erste Zauberschwammerl, der die zuvor unzerstörbaren Ziegelblöcke auf einmal zerspringen lässt. Röhren mit unterschiedlichen Höhen, welche den Spieler in das bis heute bewährte Sprungverhalten Marios einführen.

Und dieses Sprungverhalten ist auch die wichtige Basis für das Abenteuer. In den 32 Levels wollen Abgründe überwunden, Plattformen erklommen und Gegner besiegt werden – und dies alles mit Hilfe von Marios Sprungkraft. Auch um an Items zu kommen, benötigt es einen gezielten Sprung gegen einen Block. Ein aufgenommenes Zauberschwammerl lässt Mario auf die doppelte Grösse anwachsen, Ziegelblöcke zerstören und auch einen gegnerischen Treffer einstecken. Mit Hilfe der Feuerblume kann er zusätzlich sogar Feuerbälle gegen Bausers Gesindel einsetzen. Das Sternwesen sorgt für Unverwundbarkeit und Münzen spendieren bei 100 gesammelten Exemplaren ein Extraleben, genau wie das grünbepunktete 1-rauf Schwammerl es macht, das gut versteckt in den Levels aufwartet.

Und diese Levels warten in verschiedensten Formen auf Mario. Oberwelten bei Tag und Nacht oder sogar im weissen Schneegewandt. Mal in luftiger Höhe über Plattformen taumelnd, mal gejagt von Lakitu und dessen Stachis oder im düsteren Untergrund umringt von Blöcken und Abgründen. Ebenso warten Abstecher ins kühle Nass und natürlich der Ausflug in Bausers lavageflutete Schlösser, an dessen Ende der Kupa König wartet. Und in jeder Welt existieren eine Vielzahl an Geheimnissen, die nur darauf warten entdeckt zu werden.

Grafisch haben die Sprites längst Kultstatus erreicht. Von Gegnern, über Hintergrund-Elemente bis zu Mario: kaum ein Videospieler dürfte die Pixelkreationen nicht kennen. Auf der musikalischen Seite hat der legendäre Koji Kondo ein zeitloses Werk geschaffen. Das fröhliche Oberweltthema, die schlichte, aber eingängige Musikbegleitung in der Unterwelt oder natürlich das fetzige Unverwundbarkeit-Stück nach Sammeln eines Sterns – alle Stücke sind längst fixer Bestandteil des Videospieluniversums. Das Gilt genau so für die unverwüstlichen Soundeffekte. Aufnahme eines Power-Ups, Werfen eines Feuerballes oder Betreten einer Röhre – auch 40 Jahre danach sind diese noch immer so aktuell und präsent wie damals.

Dasselbe gilt für die Steuerung. Mario lässt sich so flüssig wie präzise steuern, dass Nintendo damit einen neuen Benchmark kreierte, der bis heute Standard in den 2D-Marios ist. Und auch der Umfang mit 32 Levels plus zweitem Durchgang kann sich auch heute noch mehr als sehen lassen. Und das Faszinierende: Das ganze Spiel hat eine Grösse von gerade mal 31 Kilobytes. Jeder einzelne Screenshot benötigt ein Vielfaches der Speicherkapazität des gesamten Spiels.

Super Mario Bros. ist bis heute ein perfekt spielbarer Klassiker, den jeder mal gespielt haben sollte, der auch nur einen Funken Begeisterung für Videospiele empfindet. Ein revolutionärer Titel, der vor 40 Jahren neue Wege eröffnet und die Branche nachhaltig geprägt hat.


Seppatoni und Super Mario Bros.

Den ersten Kontakt zu Super Mario Bros. hatte ich bei Freunden. Als ich bei ihnen zu Besuch war und das erste Mal selber die Kontrolle über Mario übernahm, war es um mich geschehen. Als wir dann zu Weihnachten das NES Super Set erhalten haben, inklusive dem 3er-Modul mit Super Mario Bros., Tetris und Nintendo World Cup, war die Begeisterung natürlich gross.

Fortan war Super Mario Bros. der beliebteste Titel aus dem Trio. Nicht nur wir Kids, auch die Eltern verbrachten so manche Stunde im virtuellen Schwammerlland. Stets auf der Suche nach neuen Geheimnissen und dem Versuch noch etwas weiterzukommen als zuvor. Und das grossartige Gefühl, nach etlichen Anläufen endlich eine schwierige Passage gemeistert zu haben. Stellvertretend Welt 7, mit den zahlreichen Kugel-Willis und dem kniffligen Labyrinth im Schloss im 4. Abschnitt (diese Stages wurden von meinen Eltern liebevoll «Keller» genannt). Und dem Parcours mit den Hammerbrüdern in Level 8-3 und der Jagd nach den versteckten Zauberschwammerln.

Und irgendwann wartete dann auch Bausers Schloss. Die Suche nach dem richtigen Weg, vorbei an tödlichen Hindernissen. Selbst wenn man den Hammerwerfer kurz vor Bauser endlich überwunden hatte, sprang auf einmal ein Podobu aus der Lava, bevor man dem König der Kupas gegenüberstand. Bevor ich es allerdings so weit schaffte, besiegte meine Mutter als erstes Familienmitglied den Krötenkönig. Während sie das Kunststück im Wohnzimmer vollbrachte, schauten wir der Übertragung live im Zweit-TV im Elternschlafzimmer zu und bejubelten den Triumph. Der Vorreiter des Streamings.

Auch ich durfte irgendwann den Sieg über Bauser feiern und mich am zweiten Durchgang versuchen. Unterstützt natürlich auch von Tipps und Tricks, die man mit Freunden austauschte und später auch aus dem Club Nintendo Magazin oder dem Spieleberater erfuhr. Wie der Kniff, dass man nach einem Game Over mit gedrückter A-Taste das Spiel in der zuletzt gespielten Welt fortsetzen kann.

Wie so oft damals gab ich bei eigenem Versagen auch mal dem Spiel die Schuld, wirklich unfair ist mir jedoch nur die Szene in Erinnerung geblieben, wo ich in Welt 6-3 einfach mitten durch eine bewegliche Plattform gefallen bin. Und das nicht nur einmal. Auf der anderen Seite gab es auch immer wieder motivierende Elemente, die selbst nach unzähligen Stunden immer wieder den Controller in die Hand nehmen liessen.

So setze in unserer Schule jemand das Gerücht in die Welt, dass, nachdem man die Prinzessin 10 Mal in Folge gerettet hat, ein Prinz in Bausers Schloss wartet. Das war mir jedoch zu mühsam zu überprüfen. Viel spannender war die Frage, ob die Fahnenstange am Ende eines Level übersprungen werden kann. Und tatsächlich: Nach zahllosen Versuchen schaffte ich es endlich, den Pfahl In Level 3-3 zu überwinden und fand mich direkt beim Schloss wieder. Es wartete dann sogar ein unendlich langer Weg entlang an einer Mauer bis die Zeit ausging. Und dann war da natürlich noch die berühmt berüchtige Minus-Welt. Duckend und rückwärts in Level 1-2 durch die Wand springen und in die Warpröhre rutschen, auf einmal befand man sich in der legendären Welt -1. Ein Schwimmabschnitt, der nie ein Ende fand.

Kaum einen Titel besitze ich so oft wie diesen Klassiker. Egal ob für NES, Famicom, Famicom Disk System, als Allstars auf dem SNES und der Wii, Deluxe-Edition auf dem Game Boy Color oder dem NES Classic auf dem GBA, Virtual Console auf Wii, WiiU und 3DS, enthalten im Paket des NES mini, dem Super Mario Bros. Game & Watch, in der NES-App des Nintendo Switch Online-Abos oder als freischaltbarer Bestandteil von Animal Crossing auf dem GameCube.

Auch heute liebe ich den Titel nach wie vor und zocke ihn immer wieder gerne durch. Neue Aufbereitungen wie die Ausstattung mit Retro-Achievements oder in Speedrun-Form bei den NES World Championship für die Switch packten mich jeweils wieder aufs Neue. Und selbst die Kids zeigen, dass Super Mario Bros. auch heute bei der jungen Generation immer noch für viel Spass sorgt.