Daze before Christmas Weihnachten in Gefahr!

Wir sind bereits wieder mitten in der Weihnachtszeit, für viele die schönste Zeit des Jahres. Da verwundert es doch etwas, dass die Anzahl Videospiele, die sich dieser Thematik verschrieben haben, doch recht überschaubar sind. Gerade zu 8- und 16-Bit-Zeiten gab es abgesehen von irgendwelchen Filmumsetzungen kaum Titel, die sich dem Weihnachtsthema annahmen. Einer dieser wenigen Vertreter ist der Sunsoft-Titel Daze before Christmas, der für das SNES wie auch das SEGA Mega Drive erschienen ist. Und wenn schon mal ein Weihnachtstitel produziert wird, dann steckt man natürlich auch direkt den Weihnachtmann selber in die Hauptrolle. Grund genug, sich das Spiel mal näher anzuschauen.


 

Plattform: SNES
Genre: Jump n’Run
Entwickler: Funcom
Publisher: Sunsoft
Spieler: 1-2
Erschienen: 1994 (Europa)

 


Die Verpackung

Während im Hintergrund ungeschmückte Tannenbäume stehen, macht der verwirrt dreinblickende Weihnachtsmann dem Titel alle Ehre. In einem aufgerissenen Päckchen stehend scheint er ein frohes «Merry Christmas» in die Runde zu rufen, während ihm noch Sternchen und Glöckchen um den Schädel tanzen. Unter dem Tannenbaum liegen derweil bereits die ersten Spielsachen in Form eines Basketballs und eines blauen Spielzeugautos.

Auf der Rückseite wir das Spiel, neben einigen netten Screenshots, mit einem kleinen Gedicht angepriesen:

Ein paar Tage vor Weihnachten, wie das Schicksal es will,
steht die Spielzeugproduktion des Weihnachtsmanns still!

Die Elfen streiken, die Not ist gross,
aber halt: es ist noch viel Schlimmeres los!

Kaum trinkt der gute Weihnachtsmann den kleinsten Schluck,
wird er zum „Anti-Weihnachtsmann“ und dann gibt’s Druck!

Er zerstört alles Spielzeug und verteilt nur noch Nepp.
Ist der liebe Weihnachtsmann denn wirklich ein Depp?

Hilf dem Armen zurück auf den richtigen Pfad,
und tu in seinem Schlitten so manch gute Tat.

Durch 24 Levels führt Dein Weg von Haus zu Haus.
Kannst du Weihnachten retten? Hier findest Du’s heraus!

Na, überzeugt? Gut, dann schauen wir uns doch mal die Software selber an.


Das Spiel

Wenige Tage vor dem Weihnachtsfest gönnte sich Santa Claus in seinem Haus ein kleines Nickerchen. Dies nutzte eine Bande fieser Schurken und vergraulten alle Elfen aus dem Weihnachtsdorf und stahlen die ganzen Pläne für Weihnachten. Als wäre dies nicht schon genug, entwendeten sie auch noch die ganzen Geschenke. Als Santa aufwachte und die Situation realisierte, war für ihn klar, dass er so schnell wie möglich seine Helfer retten und die ganzen Geschenke wiederfinden muss, um das Weihnachtsfest für alle Erdenbewohner noch zu retten.

Nach dem als Gedicht präsentierten Intro gelangt ihr auf die Levelübersicht. Diesmal nicht als Weltkarte, sondern dem Thema entsprechend als hübscher Adventskalender. Hinter jedem der von 1 bis 24 durchnummerierten Türchen erwartet euch ein neuer Abschnitt, der jeweils mit einem äusserst gelungenen Bildchen (siehe Galerie am ganz unten) eingeleitet werden. Den Anfang macht Santas zu Hause am Nordpol. Seine Jagd nach den Geschenken führt ihn auch in eisige Höhlen, überschwemmte Kellergewölbe und hochautomatisierte Spielzeugfabriken, bis sich der Kreis in seiner Heimat wieder schliesst.

Natürlich trifft der Weihnachtsmann in seinem Abenteuer auch auf zahlreiche Widersacher. Tiere wie Pinguine, Mäuse oder Fische haben sich gegen ihn verschworen, auch Spielzeuge in Form von Helikoptern, Panzern oder Sprungkobolden wollen ihn am Weihnachtsritual hindern. Immerhin weiss sich Santa auch zur Wehr zu setzen: Neben dem altbekannten Sprung auf den Kopf kann er die Gegner auch mit magischem Staub angreifen. Einmal getroffen, verwandeln sich diese in blaue Geschenke, die nicht nur Punkte bescheren, sondern später auch an die Kinder verteilt werden können.

Weitere Geschenke liegen auch überall innerhalb der Welten verteilt. Mit einer Handvoll Zauberpulver können diese geöffnet werden und offenbaren nicht selten hilfreiche Items. Eine Mütze gibt Santa frischt nicht nur eine Energieeinheit auf, sie lässt auch die Leiste auf bis zu 5 Einheiten erweitern. Ein Abbild seines Kopfes spendiert gar ein Extraleben. Findet ihr hingegen ein Glöckchen, könnt ihr im Falle eines Lebensverlustes direkt an dieser Stelle wieder starten. Gelegentlich befreit ihr dadurch ihr auch einen eurer Helfer, der im Päckchen gefangen wurde. Allerdings gibt es auch Bösewichte und Fallen, die euch in dieser Form auflauern. Ab und an stösst ihr auch auf eine heisse Tasse Tee. Trinkt Santa Claus diesen, so verwandelt er sich in Anti-Santa. In dieser Form ist er für kurze Zeit unverwundbar und schlägt mit seinem Sack auf die Gegner ein.

Primäres Ziel ist jeweils das Erreichen des Levelendes in Form eines Sterns. In einigen Abschnitten könnt ihr jedoch durch ein weiteres Item den Zauberstaub durch eine Flamme ersetzen und so die hinter Eiswänden eingesperrten Rentiere aus ihrer misslichen Lage befreien. Diese zeigen sich nach einem erfolgreich überstandenen Bosskampf jeweils erkenntlich und ziehen Santa Claus mit seinem Schlitten über verschiedene Städte dieser Welt, wo es die gesammelten blauen Pakete gezielt in die beheizten Schornsteine abzuwerfen gilt.

Die Musikstücke sorgen jeweils für die passende Atmosphäre. Neben neu interpretierten Klassikern wie Jingle Bells oder White Christmas fügen sich auch frische Kompositionen perfekt in das Geschehen mit ein. Auch die Grafik trägt ihren Teil zum äusserst gelungenen Ambiente bei. Niedliche, grosse Sprites wecken gelegentlich Erinnerungen an einen Disney-Film und lassen über die teils etwas kargen Hintergründe hinwegsehen.

Mit 24 Stages, die in der Länge recht variieren, fällt der Umfang überschaubar aus. Das Leveldesign ist meist recht unspektakulär, spärlich eingestreute Elemente sorgten ab und an für dezente Abwechslung. Negativ erwähnenswert sind gewisse Stellen, die aufgrund des grossen Bildausschnitts einen Sprung ins Ungewisse erfordern. Generell ist das Spiel eher etwas einfacher gehalten, was mit Blick auf die Zielgruppe verständlich ist. Mittels der 3 zur Wahl stehenden Schwierigkeitsstufen kann jeder selber noch die Herausforderungsschraube nach eigenem Gutdünken anziehen. Dank Passwortsystem könnt ihr jederzeit wieder in das gewünschte Level einsteigen. An der Steuerung selber gibt es nichts auszusetzen.

Insgesamt ist Daze before Christmas ein solider Plattformer, bei dem man vergeblich grosse Innovationen oder Herausforderungen sucht. Stattdessen lebt der Titel von der wunderbaren Weihnachtsatmosphäre, die von jedem Ton und von jedem Pixel versprüht wird. Wer eine vergnügliche und stimmungsvolle Unterhaltung für die Feiertage sucht, der wird mit Daze before Christmas bestens versorgt.


Die 24 Levels und Türchen des Adventskalenders

Wie erwähnt verbergen sich hinter den 24 Türchen des Adventskalender jeweils hübsche Bildchen, die als Einleitung der jeweiligen Welten dienen. Hier eine Übersicht über all die pixeligen Kunstwerke:


Seppatoni & Daze before Christmas

Ich weiss gar nicht mehr wann ich das erste Mal von Daze before Christmas erfahren hatte. Aber vermutlich dürfte ich irgendwo online oder mit Hilfe von Emulatoren erstmals in Kontakt mit dem Spiel gekommen sein. Als alter Weihnachts-Fan hatte ich natürlich meine Freude an dem Titel und konnte mir bei einer bekannten Onlineauktionsplattform auch ein günstiges Exemplar erwerben.

Es verwunderte mich zudem, dass kaum jemand das Spiel kannte. Im Nachhinein fand ich heraus, dass die SNES-Variante eigentlich nur ein Port der Mega Drive-Version darstellte und unter Zeitdruck fertiggestellt wurde. Just an dem Tag, and dem die Arbeiten an Daze before Christmas beim norwegischen Entwickler Funcom beendet wurden, ging Sunsoft USA pleite. So reichte es immerhin noch für einen europa-exklusiven Release des Spiels. Mittlerweile sorgt dies dafür, dass der Titel recht selten ist und auch entsprechende Preise bezahlt werden.

Bei einem Blick in die damaligen Videospiel-Zeitschriften fällt auf, dass Daze before Christmas durchwegs schwache Wertungen einstrich. Ein Grund dürfte wohl sein, dass Mitte der 90er die Masse an mittelmässigen Jump n’Runs riesig war und alles abgestraft wurde, was spielerisch nicht herausstach. Und auch bei Daze before Christmas befindet sich hinter der weihnachtlichen Kulisse auch nur ein solider Hüpfer, der zwar keine grossen Fehler macht, aber spielerisch weit weg von einer Revolution ist.

Weil aber das Spiel klar von der Atmosphäre und dem ungewöhnlichen Setting lebt, verzeiht man ihm auch die fehlenden Innovationen. Und da ich ein Herz für Jump n’Runs und Weihnachten habe, steht auch Daze before Christmas hoch in meiner Gunst. Und mittlerweile hat es sich schon als Tradition etabliert, dass wir jedes Jahr das Spiel in der Adventszeit durchspielen.

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